Pädagogisches Konzept

Das pädagogische Konzept des Vereins zur Förderung der Solidarischen Ökonomie e.V. basiert auf zwei thematischen Schwerpunkten: „Solidarische Ökonomie“ sowie „Klimawandel und die Folgen“. Unsere Bildungsarbeit erfolgt nach dem Konzept des Globalen Lernens, in Anlehnung an die „Die zwölf Kompetenzen der BNE“ entwickelt von de Haan 2008. (Bormann, I., de Haan, G. (Hrsg.): Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung, Wiesbaden 2008, S. 23–44). Bei der Entwicklung der einzelnen Bildungsmodule, orientierten wir uns an den Thüringer und Hessischen Lehrplänen.

Inhalte

Der Klimawandel ist da! und seine Folgen sind fast überall spürbar. Unsere Kinder und Jugendlichen sind die leidtragenden. Sie werden sich heute und zukünftig mit den Folgen des Raubbaus an der Natur auseinandersetzen und ihr Leben auf einen schonenden Umgang mit den Ressourcen ausrichten müssen. Ihnen müssen wir die Folgen des übermäßigen Konsums und die Notwendigkeit eines vernünftigen nachhaltigen Umgangs mit den Ressourcen vermitteln. Dabei geht es nicht nur darum das Leiden anderer Menschen hervorzuheben, sondern auch die eigene Betroffenheit, um ihnen die Reflexion ihres Handelns zu ermöglichen und selbst tätig zu werden.

Damit verbunden bieten sich für junge Menschen immer geringere Zukunftsperspektiven, die besonders in ländlichen und strukturschwachen Regionen als dramatisch zu bezeichnen sind. Arbeitslosigkeit und Abwanderung werden für viele Regionen prognostiziert. Supermarktketten, kleine Bauernhöfe, Kirchen und Schulen fallen dem Konzentrationsprozessen zum Opfer und schließen ihre Türen. Eine dezentrale Daseinsvorsorge wird immer schwerer. Ihre Problemlösung und die Entwicklung von Alternativen kann nicht allein der Politik überlassen werden, sondern muss vielmehr mit Blick auf zukünftige Generationen von den Betroffenen selbst mitgestaltet werden.

Beispielhaft für eine regionale nachhaltige Entwicklung in benachteiligten Regionen zeigen die Wirtschaftsweisen indigener und traditioneller Gemeinschaften. Diese tragen zum Schutz und Erhalt der Wälder bei und beweisen uns, dass das „Gute Leben“ ohne nachhaltige Zerstörung auch mit dem technischen Fortschritt funktioniert. Ihre Idee von Entwicklung unterscheidet sich in vielen Punkten von der unseren. Hier stehen nicht Wachstum und Profit im Vordergrund sondern das „Gute Leben“, welches unter anderem ausreichend Nahrung für sich und zukünftige Generationen und den Einklang mit der Natur beinhaltet. Diese Gemeinschaften sind bedroht von dem immer noch geltenden westlichen Bild der Entwicklung, welches Wachstum und Profit favorisiert. Konkret von der Zerstörung des Waldes durch Großprojekte und Monokulturen. Das bedeutet nicht nur die Zerstörung der Flora und Fauna, sondern auch die Zerstörung des Wissens um deren Erhaltung. Da die Ausweitung der Rodungsflächen bzw. der Anbauflächen von Monokulturen in den Regenwäldern vor allem auf den Konsum in den Industriestaaten (dies trifft auch auf verschiedene Großprojekte zu) zurückzuführen ist, wird die Brücke zwischen Europa und den benachteiligten Regionen weltweit geschlagen.

Als gleichsam beispielhaft ist die Vielzahl solidarisch organisierter Unternehmen zu betrachten. Diese beinhalten, im Gegensatz zu den nach immer währenden Wachstum strebenden Wirtschaftskonzepten, die soziale und ökonomische Gerechtigkeit. SchülerInnen wird hier ein funktionierendes alternatives Wirtschaftskonzept vorgestellt, welches Zukunftsfähigkeit im Sinne einer ganzheitlichen nachhaltigen Entwicklung beinhaltet.

Unsere Bildungsarbeit macht deutlich, dass unser Konsum zur Zerstörung des Waldes und des Wissens um dessen nachhaltige Bewirtschaftung beiträgt. Sie zeigt Handlungsoptionen auf, wie jeder Einzelne sich mit den betroffenen Menschen weltweit solidarisieren kann, Handlungsoptionen, zum Erhalt einer lebenswerten Umwelt und der Schaffung eines solidarischen Miteinanders. In den Workshops behandeln wir die Themen Energie, Schokolade, Indigene Wirtschaftsweisen und Formen der Solidarischen Ökonomie. Hier sollen offene Fragen beantwortet, Argumente vertieft, Brennpunktthemen diskutiert und individuelle Wege der Mitgestaltung gefunden werden.

Bildungsangebote:

  • Ausstellung: „In Zeiten des Klimawandels: Lernen von Amazonien!“
  • Lernen von Amazonien (Indigenes Leben und Wirtschaften)
  • Solidarisches Wirtschaften
  • Schokolade und der Regenwald
  • Erneuerbare Energien auf dem Prüfstand

Kompetenzen (nach de Haan et.al. 2008)

Folgende Kompetenzen können in einzelnen Veranstaltungen erworden werden:

Sach- und Methodenkompetenz

Weltoffen und neue Perspektiven integrierend Wissen aufbauen.

  • stellen aufgrund von Perspektivübernahme unterschiedliche Sichtweisen und Wissensformen (z.B. wissenschaftliches, tradiertes, alltägliches Wissen) über globale und lokale (nicht) nachhaltige Entwicklungen dar
  • bewerten auf der Basis der Informationen aus Perspektivübernahmen differente (nicht nachhaltige) Gestaltungsnotwendigkeiten sowie Handlungsmuster
  • beschreiben und beurteilen Vielfalt und Verschiedenheit (Diversität) im kulturellen und ökologischen Bereich

Interdisziplinär Erkenntnisse gewinnen und handeln

  • beschreiben und erklären Beziehungsgeflechte für die Darstellung nicht nachhaltiger globaler Entwicklungen
  • stellen Konzepte der Nachhaltigkeit in den Bereichen Technik, Ökonomie, Handel, Mobilität, Flächennutzung, Bauen und Wohnen, Konsum, Freizeit anhand einzelner Beispiele dar
  • beschreiben und beurteilen die Unterschiede zwischen erneuerbaren und nicht erneuerbare Ressourcen und ihre Nutzung (z.B. nachwachsende Rohstoffe, fossile Energieträger)
  • beschreiben und beurteilen Konzepte und Visionen von sozialer Gerechtigkeit

Risiken, Gefahren und Unsicherheiten erkennen und abwägen können.

  • können Risiken und Gefahren nicht nachhaltigen Handelns analysieren und beurteilen

Sozialkompetenz

Gemeinsam mit anderen planen und handeln können.

  • benennen und analysieren in Gruppen differente Standpunkte zur Nachhaltigkeit auf ihre Hintergründe hin und können in diesem Zusammenhang Kontroversen demokratisch austragen
  • nennen soziale, ökonomische und politische Gründe für Menschenrechtsverletzungen, erarbeiten gemeinsam Möglichkeiten des Schutzes der Menschenrechte und zeigen sich in der Lage, Formen des Engagements für die Menschenrechte adressaten- sowie situationsgerecht zu präsentieren

Zielkonflikte bei der Reflexion über Handlungsstrategien berücksichtigen können.

  • sind in der Lage, die zeitliche Folgereichweite heutigen Handelns abzuschätzen und können Investitionen in die eigene Zukunftsvorsorge planen und rechtfertigen

An Entscheidungsprozessen partizipieren können.

  • beschreiben Solidarität und Zukunftsvorsorge für Mensch und Natur als gemeinschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe
  • veranschaulichen, wie kooperatives Problemlösen bei der Entwicklung von Handlungsstrategien für nachhaltige Entwicklungen realisiert werden kann

Sich und andere motivieren können aktiv zu werden

  • beschreiben und beurteilen Formen gemeinsamen Engagements für solidarische Aktivitäten (z.B. gegen Armut, Diskriminierung, Umweltrisiken)

Selbstkompetenz

Die eigenen Leitbilder und die anderer reflektieren können

  • beschreiben Lebensweisen, welche einen nachhaltigen Konsum, einen umwelt- und sozial verträgliche Mobilität und Freizeitgestaltung sowie die Gesundheit sichern und befördern
  • kennen und erörtern Kriterien der Produktion und des Kaufs von Produkten unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten
  • ermitteln und beurteilen die Hintergründe, Formen und Auswirkungen des eigenen Lebensstils und des Lebensstils anderer Personen sowie Gesellschaften auf die Lebens- und Arbeitssituation anderer Menschen sowie auf die Biosphäre

Vorstellungen von Gerechtigkeit als Entscheidungs- und Handlungsgrundlagen nutzen können

  • können Wirkungen und Nebenwirkungen ihres Handelns für andere abschätzen und beschreiben

Selbstständig planen und handeln können

  • kennen und erörtern ihre persönlichen Rechte, Bedürfnisse und Interessen, beschreiben deren Grenzen vor dem Hintergrund des Ziels nachhaltiger Entwicklungsprozesse sowie der Rechte anderer Menschen und benennen Möglichkeiten, für die Rechte künftiger Generationen einzutreten

Empathie und Solidarität für Benachteiligte zeigen können

  • beschreiben und beurteilen Formen der individuellen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Verantwortungsübernahme für (nicht) nachhaltige Entwicklungsprozesse
  • stellen Möglichkeiten dar, wie Empathie und Solidarität mit benachteiligten Menschen und Gemeinschaften lokal wie global geübt werden kann

Zielgruppen

Zielgruppen unserer Bildungsarbeit sind SchülerInnen ab der 4. Klasse.

Lehr- und Lernmaterialien

Die verwendeten Lehr- und Lernmaterialien wurden von PädagogInnen entwickelt und werden altersgerecht eingesetzt.

für SchülerInnen Sek I

Bilder, Rollen- und Planspiele, Gesellschaftsspiele, Rätsel, Aufgaben zum Malen, Filme, Experimentierkästen, Vorlagen für die Auswertung: z.B. Rucksack, Platzdeckchen, vorbereitete Fragen

für SchülerInnen Sek II

Bilder, Rollen- und Planspiele, Gesellschaftsspiele, Rätsel, Aufgaben zum Malen, Filme, Arbeitsblätter, World Café, Experimentierkästen, Grundlagen für Recherchen zu bestimmten Themen, Vorlagen für die Auswertung: z.B. Rucksack, Platzdeckchen, vorbereitete Fragen

Methodenwahl

Auch die Methoden werden altersgerecht ausgewählt und sollen überwiegend spielerisch die Inhalte der jeweiligen Workshops vermitteln. Aktive und passive Methoden wechseln ab. Der Einsatz der Methoden erfolgt anhand von Einführung, Ausarbeitung und Auswertung/ Reflexion.

SchülerInnen Sek I

Einführung: Kennenlernspiele (wenn die SchülerInnen sich nicht kennen), Wer hat heute schon…?, Bildassoziationen

Ausarbeitung: Rollen- und Planspiele, Gesellschaftsspiele, Rätsel, Malen, Filme, Diskussion, Experimentieren

Auswertung/ Reflexion: Rucksack, Platzdeckchen, Fragen in Form eines Wettbewerbs beantworten

SchülerInnen Sek II

Einführung: Kennenlernspiele (wenn die SchülerInnen sich nicht kennen), Wer hat heute schon…?, Bildassoziationen

Ausarbeitung: Rollen- und Planspiele, Gesellschaftsspiele, Rätsel, Malen, Filme, Diskussion, Arbeitsblätter, World Café, interaktives Museum, Erarbeitung eigener Kurzvortäge und Präsentationen, Experimente

Auswertung/Reflexion: Rucksack, Platzdeckchen, Fragen in Form eines Wettbewerbs beantworten

Lernziele

Ressourcennutzung, Wachstum und eigenes Konsumverhalten sind Schwerpunktthemen der Ausstellung „In Zeiten des Klimawandels: Lernen von Amazonien!“. Regionalität, Fair Trade, klimafreundlich Reisen, umweltverträgliche Produkte und solidarisch wirtschaften werden in Form von Workshopangeboten näher betrachtet. Die Zielgruppen sollen in erster Linie neue Möglichkeiten für ihr eigenes Konsum- und Sozialverhalten entdecken. Ein Verhalten zu ändern braucht möglicherweise eine veränderte Haltung zu etwas. Dabei ist es wichtig, dass die Jugendlichen intrinsisch motiviert sind, um individuelle Veränderungsziele auch erreichen zu können. Ein ressourcenorientierter Ansatz, der Bezug zu ihrer Lebenswelt nimmt und ihnen partizipative Gestaltungsmöglichkeiten gibt, soll eine Haltungsänderung anbieten. Eine positive Affektbilanz (vgl. Zürcher Ressourcen Modell nach Maja Storch) kann den Übergang in die aktive Handlung unterstützen. Durch bewussten Umgang mit Ressourcen und durch solidarisches Handeln sollen sie einen eigenen konkreten Beitrag zum Erhalt der Umwelt leisten und damit (mindestens) indirekt benachteiligte Bevölkerungsgruppen weltweit unterstützen. Zudem werden Organisationen benannt, die in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, so dass die Zielgruppen auch aktiv tätig werden können.